Die Geschichte der Paso Finos......

...beginnt mit der Geschichte der Gangpferderassen in der Alten Welt

In der Literatur aus dem Mittelalter stösst man im Zusammenhang mit Pferden und Fortbewegung immer wieder auf das Wort Zelter. Welche Gänge diese Zelter oder Palfreys (im iberischen Sprachraum damals als Palefridi bekannt) nun genau beherrschten, ist mehr schlecht als recht dokumentiert, da man zur damaligen Zeit jede bequeme Gangart einfach als Amblet bezeichenete. Die Bedeutung des Wortes mag sowohl mit dem spanischen Wort Ambladuro (=Passgang) als auch mit dem französichen amble (=der Zelt: Gang zwischen Trab und Pass) zusammenhängen.
Reiten bedeutete damals kein Freizeitvergnügen und war die einzige Alternative zum Gehen – also schlicht das ultimative Fortbewegungsmittel. Wer es sich auch nur irgendwie leisten konnte, erwarb deshalb eine Pferde-Luxusausführung, einen Palfrey oder einen Zelter. Gemeint war ein gangveranlagtes Pferd. Auf dessen Rücken wurde man, wegen der wegfallenden Schwebephase, nicht bis auf die Knochen durchgeschüttelt.

In der „Allgemeinen deutschen Real-Enzyklopadie, Leipzig F.A. Brockhaus, 1837” findet man das Wort Zelter wie folgt definiert: „Zelter nennt man ein Pferd, das einen guten Pass geht und mehr zum Tragen als zum Reiten bestimmt ist. Das Wort kommt her von dem nicht mehr gebräuchlichen, aber in alten Wörterbüchern sich noch findenden Wort: der Zelt (franz. amble), das den Gang des Pferdes zwischen Pass und Trab bedeutet. Dann versteht man unter Zelter ein ruhiges, kleines und deshalb zum Reiten für Damen geeignetes Pferd, insbesondere ein milchweisses. Eine grosse Rolle als Damenpferd spielen die Zelter in den alten Ritterromanen.”

Oder ein Auszug aus „Meyer Conversationslexikon, 1909”: „Der Pass besteht darin, dass beide Beine derselben Seite gleichzeitig gehoben, bez. Niedergesetzt werden, wobei der Schwerpunkt abwechselnd von rechts nach links verschoben werden, bez. geschaukelt wird. Der Pass ist räumend und ausdauernd und findet sich als Naturgang bei vielen Steppenpferden, wurde früher aber auch als Damenreitpferd adressiert”.

Gesichert ist, dass es vor allem die spanischen Zelter waren, die im Mittelalter hoch geschätzt wurden. Der Spanische Genette galt damals als das feinste und schönste Pferd der Alten Welt. Heute wird angenommen, dass die Spanischen Genetten ihr Gangvermögen – das in der Folge die weiteren Gangpferdetypen Europas massgeblich beeinflusste – von den Berberpferden geerbt haben. Die Berberpferde sind in erheblichem Ausmass an der Formung des spanischen Reitpferdes beteiligt und heute noch gibt es in der nordafrikanischen Heimat des Berbers viele Pferde, die neben den drei Grundgangarten auch einen gebrochenen Pass oder zumindest einen töltähnlichen Gang beherrschen.
Es ist davon auszugehen, dass bis ins frühe 18. Jahrhundert in Europa die Fortbewegung auf trabenden Pferden verpönt und den armen Leuten vorbehalten war.
In der Folge baute man immer bessere Strassen, die Kutschen wurden bequemer und irgendwann empfand man die trabenden Pferde vor der Kutsche wohl als schöner. Die vorher so beliebten und begehrten Zelter galten als unschick und wurden sogar gänzlich unbeliebt.
Je intensiver man sich mit der Geschichte des Pferdes und seiner Nutzung auseinandersetzt, desto deutlicher werden die „trabenden Pferde des 20. und 21. Jahrhunderts” zu einer neuzeitlichen Modeerscheinung.

Entwicklung in Südamerika
Der Paso Fino stammt von den Pferden der spanischen Eroberer ab, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Neue Welt besiedelten. Die mitgebrachten gangveranlagten Pferde stammen zumeist aus iberischen oder afrikanischen Zuchten (Spanische Genetten und andere Qualitätspferde iberischer Zuchten, mit Sicherheit jedoch auch nordafrikanische Pferde, wie der Berber).

1492 wurden die ersten Pferde (zwanzig Hengste und fünf Stuten) mit der zweiten Expedition von Christoph Columbus auf die Insel Hispanola, die heutige Dominikanische Republik, gebracht – 1500 trafen weitere 60 Stuten ein. Damit dürfte der Grundstock für die Pferdezucht in der Neuen Welt gelegt worden sein.
1509 gelangten mit dem Eroberer Ponce de Lion 42 gangveranlagte Pferde nach Puerto Rico, von denen aber viele getötet wurden oder verendeten. In Puerto Rico entwickelte sich in der Folge trotzdem eine noch heute bestehende Hochburg der Paso Fino Zucht.
1600 trafen weitere 60 Zuchtstuten in Santo Domingo, der heutigen Dominikanischen Republik ein. Nach und nach bildeten sich in der neuen Welt Zuchten mit unterschiedlichen Vorlieben.
Der Paso Fino ist eine der aus diesen gangveranlagten iberischen und nordafrikanischen Pferden entstandenen Rasse.
In der Neuen Welt hat das bequeme Gangpferd bis heute nicht viel an Stellenwert und Bedeutung verloren. Die Zucht wurde in den Ursprungsländern bis zur heutigen Zeit mit viel Sorgfalt und Hingabe weitergeführt.