Gangpferde unterscheiden sich von unseren Pferden dadurch, dass sie zu den allgemein bekannten Gängen Schritt, Trab und Galopp zusätzlich eine für den Reiter sehr bequeme Gangart zeigen: den Passgang.
Physikalisch erklärt sich der „Reitkomfort” im Passgang schlicht durch das Wegfallen der Schwebephase. Dadurch fällt im Vergleich zum normalen Traben das „Holpern und Rütteln” und somit auch das mehr oder weniger hilflose herumplumpsen auf dem Pferderücken weg. Um einen normalen Trab aussitzen zu können und mitzuschwingen, muss nämlich immer ein gewisser Druck auf den Pferderücken ausgeübt werden, um nicht in die Höhe zu hüpfen.
Ein Gangpferd - wie der Paso Fino Colombiano - zeigt seine Veranlagung für den Spezialgang seiner Rasse bereits im Fohlenalter: Der zusätzliche Gang – der Paso – wird also an seine Nachkommen vererbt. Die Fähigkeit des Zusatzganges ist genetisch verankert, kann allerdings mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Um die Gangveranlagung korrekt ausführen zu können müssen die Muskeln und Bänder des Pferdes gut durchtrainiert sein. So fremd und ungewöhnlich die reinen Viertaktgangarten für manchen auch aussehen mögen, sie sind natürlich und nie erzwungen.
Übrigens sind gegen 70% aller Pferde bei gezieltem Training und der entsprechenden Reittechnik in der Lage, einen Gang zwischen Schritt und Trab zu laufen. Es ist davon auszugehen, dass ursprünglich alle Pferde gangveranlagt waren. Die Veranlagung für den sogenannt zusätzlichen Viertaktgang wurde in der Reitsportwelt der Moderne nämlich gezielt weggezüchtet.
Mehr Informationen unter Rubrik „Geschichtlicher Hintergrund”.
Die unterschiedlichen Gangarten
Zwischen Trab und Pass gibt es unzählige Gangarten, welche von Fachleuten mit vielen Spezialbegriffen definiert werden und auf die rassespezifische Feinheiten der einzelnen Rassen hinweisen. Manche Gangarten liegen fast exakt in der Mitte zwischen Trab und Pass – sind also quasi ein Mix. Sehr vereinfacht ist der Unterschied zwischen Gangpferden und den uns bekannten „anderen” Rassen aufgrund der Frage „diagonale oder laterale Schrittfolge” zu erklären:
Hebt ein Pferd ein diagonales Beinpaar (z. B. links vorne und rechts hinten) kurz nacheinander oder gleichzeitig hoch und setzt sie auch kurz nacheinander oder gleichzeitig wieder ab ergeben sich je nach Fussfolge verschiedene Gänge wie beispielsweise Trab, Trocha, Foxtrott, etc.
Hebt ein Pferd das laterale Beinpaar (z. B. links vorne und links hinten) entstehen Gangarten wie der Pass.
Paso Fino Die Taktfrequenz des Paso Fino ist extrem hoch, das Pferd bewegt sich mit kleinsten Schritten fast auf der Stelle. Diese Pferde mit ihrem überschäumenden Temperament (Classic-Fino Typen) werden vornehmlich für Shows, Veranstalungen und Wettbewerbe (Kolumbien/USA) eingesetzt und sind aufgrund ihrer Sensibilität nur für erfahrene Reiter geeignet.
Paso Corto Ein Pferd das im Paso Corto läuft greift weiter aus und kann von der Geschwindigkeit her ungefähr mit einem trabenden Pferd mithalten. Diese Gangart ist äusserst elegant anzuschauen und zum Reiten wohl mitunter die angenehmste Variante (Performance- und Pleasure-Typen).
Paso Largo Beim Paso Largo ist die Geschwindigkeit so hoch, dass sie im Tempo-Vergleich einem galoppierenden Pferd entspricht (Performance- und Pleasure-Typen).
Galopp + Trab Der Galopp des Paso Fino fühlt sich an wie ein Schaukeln weil die Schwebephase praktisch wegfällt (vergl. Canter) und der sehr weiche Trab ist ein schlichter Genuss.
